Sie befinden sich hier: 

25. August 2016: Betriebliches Eingliederungsmanagement als Chance nutzen

Es passierte im Winterurlaub. Herr Schmidt, 56 Jahre alt, hatte sich zum ersten Mal auf die Skibretter getraut. Im Skikurs verlief alles wunderbar und er hatte großen Spaß an der neuen Sportart. Nach drei Tagen traute er sich an die rote Pistenstrecke – Resultat: schwieriger Beinbruch, mindestens 6 Wochen arbeitsunfähig und eine Verordnung für anschließenden Rehasport.

Nach 8-wöchiger Arbeitsunfähigkeit kehrt Herr Schmidt in der neunten Woche zurück an seinen Arbeitsplatz im Büro eines Industrieunternehmens. Sein Arbeitstag umfasst 8 Stunden inklusive einer 30-minütigen Mittagspause. Schnell stellt er fest: Unzählige ungelesene E-Mails, Meetings und Gespräche mit Kollegen überfordern ihn. Er ist oft unkonzentriert, fühlt sich schlapp und ausgelaugt. Dazu kommen Rückenschmerzen und Schmerzen im Bein, die wohl durch seine vorwiegend sitzende Tätigkeit hervorgerufen werden. Nach kurzer Zeit wendet er sich an den Personalrat und erkundigt sich nach der Möglichkeit eines Betrieblichen Eingliederungsmanagement. Herr Schmidt hat auch den Wunsch, seine Arbeitszeit anfangs zu reduzieren und etappenweise wieder zu steigern.

Der Personalrat gibt ihm die Information, dass das Betriebliche Eingliederungsmanagement bereits seit 2004 vom Gesetzgeber vorgeschrieben ist (§84 Abs. 2 SGB IX). Dies gilt für alle Beschäftigte eines Unternehmens, die in einem Jahr länger als 6 Wochen arbeitsunfähig sind. Der Arbeitgeber hat die Aufgabe, das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) zu initiieren und zu gestalten. Dabei werden oft auch Integrationsteams oder –berater beteiligt. Der Betroffene entscheidet aber, ob er das BEM-Verfahren annimmt oder nicht. Die BEM-Maßnahmen werden dann im Optimalfall im Konsens aller beteiligten Akteure festgelegt.

Nach einem Beratungsgespräch, bei dem Herr Schmidt, der Personalrat sowie ein Integrationsteam und ein Arzt beteiligt waren, wird ein Konzept für die betriebliche Eingliederung für Herrn Schmidt erstellt. Als Maßnahme der stufenweisen Wiedereingliederung wird seine Arbeitszeit in den ersten Wochen auf 4 Stunden täglich reduziert, so dass Herr Schmidt weiterhin am Rehasport teilnehmen kann. Zu den BEM-Maßnahmen gehört auch, dass der Arbeitsplatz von Herrn Schmidt verändert wird: Ein ergonomischer Schreibtischstuhl und ein elektrisch höhenverstellbarer Tisch sollen ihm die Möglichkeit geben, seine Aufgaben auch im Stehen zu bewältigen – dadurch kann er sein Bein aktiver bewegen und nimmt keine krumme Rückenhaltung beim Arbeiten ein. Für die Zukunft bekommt der Beschäftigte die Möglichkeit, seine Arbeitszeit sowie die Pause flexibler zu gestalten, so dass er weiterhin am Rehasport und an Rückenkursen teilnehmen kann.

Herr Schmidt besucht regelmäßig den Rehasport und arbeitet an seinem Arbeitsplatz abwechselnd in stehender und sitzender Position. Nach einigen Wochen konnte er gestärkt in einen 8-stündigen Arbeitstag zurückkehren.

Was die meisten Arbeitgeber nicht wissen: Bei unterlassenem betrieblichem Eingliederungsmanagement und krankheitsbedingter Kündigung liegt die Darlegungslast beim Arbeitgeber. Der Gesetzgeber argumentiert hier, dass durch ein BEM ggf. mildere Mittel erkannt und entwickelt werden können. Schlussfolgernd ist das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) ein individueller Suchprozess, bei dem das Ergebnis offen ist. Mit dem Beschäftigten zusammen wird nach geeigneten BEM-Maßnahmen gesucht, die ihn zur kompletten Genesung begleiten und unterstützen sollen – denn nur von gesunden Mitarbeitern kann ein Unternehmen langfristig profitieren!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: aus dem Gedächtnis des B.A.D. Webinars vom 23.08.2016 zum Thema „Betriebliches Eingliederungsmanagement“ von Ulrike Plogstieß 

Veröffentlichung des BBGM

Das Ressort Aus- und Weiterbildung hat Bildungsempfehlungen zur Ausbildung von Gesundheitsmanagern und Gesundheitsmanagerinnen veröffentlicht.

Ausbildungsinstitutionen deren Ausbildungen den Empfehlungen des BBGM entsprechen, können sich ab sofort durch den BBGM zertifizieren lassen.

[weiter]

Informationen

Wollen Sie mehr über den Bundesverband Betriebliches Gesundheitsmanagement e.V. [BBGM] wissen? Dann nehmen Sie Kontakt zu uns auf: E-Mail

Wenn Sie dem BBGM direkt beitreten möchten, steht Ihnen hier ein Mitgliedsantrag als Download zur Verfügung.

Das Formular kann postalisch oder per Fax an den BBGM gesendet werden.